Foto: Andreas Friedle

Von Medizin und Holz

Cornelia Lass-Flörl: "Wir fokussieren uns auf zwei Bereiche: ein besseres Verständnis von Pilzinfektionen und die Suche nach antimikrobiellen Oberflächen."

Pilzinfektionen im Visier

Pilze sind hartnäckig. Wer sie einmal im Badezimmer hatte, kann ein Lied davon singen. Pilze sind gefährlich. Vor allem, wenn sie im Krankenhaus auf gesundheitlich angeschlagene Menschen treffen.

„Gefährlich sind sie aber nicht für den ‚Durchschnittspatienten‘, sondern vielmehr für Menschen mit schweren Erkrankungen, die wir heutzutage besser therapieren können, deren Immunsystem aber durch die Therapie sehr geschwächt ist“, erklärt Cornelia Lass-Flörl, Direktorin der Sektion für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Nichtsdestotrotz sind Pilzinfektionen ein großer Bestandteil ihrer Forschung. Im Christian-Doppler-Labor für invasive Pilzinfektionen versucht sie ihnen und ihrer Vermeidung – in Zusammenarbeit mit dem Tiroler Holzwerkstoffhersteller Fritz Egger und dem Wiener Biopharmazeutik- Unternehmen Gilead Sciences – auf den Grund zu gehen.

„Wir fokussieren uns auf zwei Bereiche: ein besseres Verständnis von Pilzinfektionen und die Suche nach antimikrobiellen Oberflächen“, sagt die Medizinerin. Neben dem Screening eines neuen Medikaments, das für Menschen weniger toxisch sein soll und somit bei Verabreichung die Effektivität der Behandlung erhöhen könnte, werden gleichzeitig Kombinationen mit Zweit-Medikamenten getestet, um den potenziellen neuen Wirkstoff auch gezielter einsetzen zu können.

Weiters wird im Mausmodell untersucht, wie der Organismus auf eine bestimmte Pilzbelastung in der Luft reagiert und wie im Speziellen ein Organismus mit Immunsuppression. Das Ziel ist mehr Wissen über den Cut-Off, also die Grenze, ab der die Pilz-Konzentration in der Luft für Risikopatienten gefährlich werden könnte. Ebenso geht das Team von Lass-Flörl der Frage nach, warum zwischen zehn und zwanzig Prozent der Patienten, denen prophylaktisch Anti-Pilz-Medikamente verabreicht werden, trotzdem an einer Infektion erkranken. Gearbeitet wird dabei auch mit einem 3D-Lungenmodell im Reagenzglas. „Wir können damit das, was wir in einem In-vivo-Mausmodell finden, in vitro an menschlichen Zellen untersuchen“, beschreibt Lass-Flörl den Grundlagenaspekt im Doppler- Labor, die angewandte Forschung hingegen widmet sich den Oberflächen.

„Hintergrund ist die Überlegung, dass antimikrobielle Oberflächen entweder das Anhaften oder das Überleben von Viren, Bakterien und Pilzen verhindern“, so die Forscherin. Eine Oberfläche, die nach drei Stunden Erreger eliminiert, hat das Team bereits identifiziert, nun komme, meint Lass-Flörl, die wahre Herausforderung: „Es gilt zu klären, wie lange die Oberfläche wirkt und ob bzw. wie sie zu reinigen ist.“ Die Antworten sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre dazu führen, die Einrichtung einer Intensivstation am Krankenhaus Innsbruck mit diesen Oberflächen auszustatten. Ist der Versuch erfolgreich, wäre dies, so Lass-Flörl, der erste Schritt in Richtung

Dieser Beitrag ist erstmals im „Standort Tirol“, den Nachrichten aus dem Innovations- und Technologieland Tirol, Ausgabe Nr. 27, 01/2016, erschienen. Die gesamte Ausgabe lesen Sie hier.
 

Medizinische Universität Innsbruck

Egger Gruppe

Christian Doppler Forschungsgesellschaft

 

Hintergrund:

Christian-Doppler-Labors werden an Universitäten oder außeruniversitären Forschungsinstitutionen für maximal sieben Jahre eingerichtet. Die Kosten für das gesamte Vorhaben teilen sich zu je 50 Prozent das Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium und die kooperierenden Unternehmen.

 

 

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