Foto: Standortagentur Tirol

Forschen

Francesca Ferlaino: "Die Genies kommen her, halten Vorträge und geben Kurse. In Tirol lernt man von und mit den Besten weltweit."

"Ein Standort mit Kraft und Innovation"

Was macht attraktive Stellen in der Forschung aus? Starke Themen, Renommee der Arbeitgeber, konsequent wachsende Budgets, gute Perspektiven bei Drittmitteln, intensive internationale Zusammenarbeit und engagierte wie exzellente Kollegen. Forscher in Tirol genießen all diese Faktoren. Und zwei weltweit immer kostbarere Elemente dazu: Vertrauen und Zeit.

Vertrauen, wie Gerhard Kirchmair es erhält. Der junge Physiker hat im März 2013 mit nur 32 Jahren eine auf fünf Jahre befristete Professur für Experimentalphysik angetreten und wurde damit auch Junior Research Director am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Innsbruck. Diese Chance für seinen Einsatz rund um einen Kryostaten – einen sehr, sehr kalten Kühlschrank, der im Zentrum seines Experimentes steht – verdankt er unter anderem Peter Zoller, dem hoch dekorierten Innsbrucker Quantentheoretiker. Dieser hat in Innsbruck ein Tenure-Track ähnliches Verfahren initiiert, das jungen Wissenschaftlern bessere Perspektiven bieten soll. Kirchmair kühlt in seinem megakalten Kühlschrank supraleitende Schaltkreise auf wenige Millikelvin über dem absoluten Nullpunkt ab. Denn mit Supraleitern, die Strom verlustfrei leiten, können künstliche Atome gebaut und deren Quanteneigenschaften kontrolliert werden. Langfristig möchte der gebürtige Tiroler mit seiner Technologie jene Schnittstellen zwischen supraleitenden Qubits und optischen Photonen schaffen, die ein Quanteninternet braucht.

Zeit, wie Oriol Romero-Isart sie nützt. Der 35-jährige Physiker aus Barcelona und ERC Starting Grant-Preisträger konnte zeitgleich mit Kirchmair eine Professur desselben Designs antreten.

„Die Professur in Innsbruck und der ERC Starting Grant haben mir optimale Bedingungen für die aufregende und herausfordernde Aufgabe, eine unabhängige Forschungsgruppe aufzubauen“,

erzählt Romeo-Isart. Der Theoretiker denkt dabei unter anderem über hybride Systeme aus Supraleitern und Ferromagneten nach, die die Kopplung zwischen entfernten magnetischen Stickstoffleerstellen-Zentren in Diamant verstärken würden. Ziel ist die Entwicklung eines vollständig magnetischen Prozessors für Quanteninformation. Wie Kirchmair hält Romero-Isart seine Professur für fünf Jahre. Fünf Jahre, in denen sich die jungen Männer voll und ganz auf ihre Forschung konzentrieren können. Weit länger als an anderen Standorten üblich.

Die „Tiroler Nachwuchsförderung“ längst hinter sich gelassen hat Francesca Ferlaino. Ferlaino wurde in Neapel geboren. Nach ihrem Physikdoktorat in Florenz kam sie zunächst als Gastdozentin an die Innsbrucker Experimentalphysik. Als Lise-Meitner-Stipendiatin und unterstützt vom Österreichischen Wissenschaftsfonds forschte sie zu ultrakalten Quantengasen. Inzwischen stellte sie ein eigenes Wissenschaftlerteam zusammen, richtete ein Labor ein und stellte das weltweit erste Bose-Einstein-Kondensat aus Erbiumatomen her. Heute leitet sie das Forschungszentrum Physik an der Universität Innsbruck und hebt insbesondere die Qualität des Umfeldes hervor:

„Top-Wissenschaftler lernt man in Innsbruck nicht über das Lesen ihrer Texte kennen: Die Genies kommen her, halten Vorträge und geben Kurse. Man lernt also von und mit den Besten weltweit.“

Kein Wunder also, dass Tirol sich zu einem Schmelztiegel von Wissenschaftlern aus aller Welt entwickelt hat. Deutschland, Italien, Spanien, Griechenland und China sind nur einige der Herkunftsländer an den verschiedenen Einrichtungen. Die in hoher Zahl auch von den Tiroler Life Sciences angezogen werden.

Der gebürtige Wiener und renommierte Molekularbiologe Lukas Huber, Leiter der Sektion Zellbiologie des Biozentrums der Medizinischen Universität Innsbruck und wissenschaftlicher Leiter des COMET K1-Zentrums Oncotyrol sowie des ADSI, Austrian Drug Screening Institute, erklärt, warum: „In Tirol finden Biotechnologen und Lebenswissenschaftler eine enorm dichte Infrastruktur und Kooperationsmöglichkeit mit Forschern und Praktikern an der Klinik. Mit dem zentral in der Stadt rund um die Klinik gelegenen Campus ist dieser rasche Weg von der Forschung über die Klinik in die Anwendung historisch und damit stabil gewachsen.“ Insgesamt ist Tirol für Huber ein „Standort mit Kraft und Innovation“ und er ergänzt: „Die Menschen sind verlässlich, ehrgeizig und innovativ. An die Standortbedingungen, die ich hier vorfinde, kommt so rasch nichts heran. Zudem fühlt sich meine Familie hier sehr wohl.“

Dass sich Forscher und Forscherfamilien weltweit in Tirol wohlfühlen, das unterstützen neben der öffentlichen Hand auch Einrichtungen wie die FFG, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft oder die Standortagentur Tirol. Erstere unterstützt zuziehende Wissenschaftler vom Bewerbungsgespräch über den Umzug bis hin zur beruflichen Integration unter anderem mit sogenannten  Karriere-Grants. Die Standortagentur Tirol wiederum betreibt ein eigenes Expatriate Service. Um den Start in Tirol zu erleichtern und die Integration zu beschleunigen, berät und begleitet sie zu den wichtigsten Fragen rund um den beruflichen und vor allem auch privaten Start in Tirol. Denn wenn junge Forscher aus dem Ausland nach Tirol kommen, geht es erst recht um zwei immer zentralere Themen: Vertrauen und Zeit.

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