Foto: Standortagentur Tirol

Grüne Pläne

Tiroler Energie Know-how seit 1979: Der Speichersee Finstertal im Kühtai liegt 2.300 Meter über dem Meeresspiegel und fasst rund 60 Millionen m³ Wasser.

(Erfolg)reich in die erneuerbare Zukunft

Frei von fossilen Energieträgern – ein frommer Wunsch? In Tirol hat er Hand und Fuß. Das Land will bis 2050 völlig unabhängig von Öl, Erdgas, Kohle und Co. sein. Und hat beste Chancen, das zu schaffen. Denn das Land ist reich. Reich an natürlichen Ressourcen wie Wasser, Holz und Sonne. Und reich an Erfahrung, wie man sich natürliche Energiequellen zunutze macht.

So startete die Geschichte der Flusskraftwerke am Tiroler Inn und der großen Speicherkraftwerke im alpinen Hochgebirge mit ihren imposanten Stauseen bereits im Jahr 1938. Sauberen Strom aus Wasserkraft liefert den Tirolern der Landesenergieversorger Tiroler Wasserkraft AG heute aus insgesamt 9 großen oder mittleren und 40 kleineren Kraftwerken. Ein Viertel der derzeitigen Stromproduktion kommt aus weiteren mehr als 1.000 Kleinwasserkraftwerken in Tirol. Pro 1.000 Einwohner sind 750 m² Sonnenkollektorfläche zur Warmwasserbereitung und Heizung installiert. Über Bürgerbeteiligung finanzierte Photovoltaik-Parks gehören in den Gemeinden zum guten Ton. Die Fernwärmeversorgung auf Basis von Sägerestprodukten und Waldhackgut läuft auf Hochtouren. Und vier Prozent des Bedarfs an elektrischer Energie werden aus Biomassekraftwärmekopplungsanlagen beziehungsweise aus Biogas-, Deponie- und Klärgasanlagen gewonnen. Lauter Gründe, warum Tirol bereits heute auf einen Eigenversorgungsanteil von 40% verweisen kann und diesen bis 2020 zunächst auf 50% steigern wird.

Die Gewinnung von immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen ist das eine. Die Reduktion des Verbrauchs das andere. Im Bereich Energieeffizienz strebt die Tiroler Energiestrategie bis 2020 auf Basis der EU-Effizienzrichtlinie zunächst eine jährliche Einsparung von zumindest 1% des Endenergiebedarfs der vergangenen fünf Jahre an. Bis 2050 soll der Bruttoendenergieverbrauch dann um insgesamt die Hälfte reduziert sein. Weil große Einsparpotenziale im Gebäudebestand liegen, unterstützt die Landesregierung nicht nur Passivhaus & Co im Neubau, sondern fördert insbesondere thermische Sanierungen von in die Jahre gekommenen Häusern. Denn durch gut geplante Maßnahmen lassen sich Energiebedarf und Heizkosten auch dort um bis zu 80 Prozent senken. Gleichzeitig sind in Tirol bereits 1.079 Grundwasser-Wärmepumpen sowie weitere 1.642 Erdwärmesonden im Einsatz. Und um die noch freien Potenziale bei nutzbarer Wärme aus Grundwasser, Boden und Luft aufzuspüren, werden zum Zeitpunkt Grundwasserschichtenpläne und Wärmelastpläne erstellt.

Doch damit nicht genug: Das Land Tirol unterstützt auch Energiesparmaßnahmen in Betrieben – allein die Tiroler Supermarktkette MPreis hat rund 7.300 m² Photovoltaik-Fläche auf den Dächern ihrer Häuser installiert und erzeugt damit jährlich rund 1.100.000 kWh Strom – und engagiert sich mit zahlreichen Beratungsinitiativen, zum Beispiel der Tiroler Beratungsförderung ECOtirol. Einzigartig in Westösterreich ist in diesem Zusammenhang auch der Zertifikatslehrgang „Betriebliches Energiemanagement“, den das Management Center Innsbruck gemeinsam mit dem Cluster Erneuerbare Energien Tirol installiert hat und bereits seit mehreren Jahren umsetzt. Teilnehmer lernen, wie sie den Energieeinsatz in den wichtigsten Produktionsprozessen oder beim Gebäude senken und damit deutliche Einsparungen erzielen können.

Rückenwind bekommen die Tiroler Pläne seit kurzem vom Dialogprozess „Tirol 2050 energieautonom“. Denn engagierte Vorhaben lassen sich erst in der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten umsetzen: der Energie- und Klimaschutzpolitik, den Stakeholdern, den Unternehmen, den Forschungseinrichtungen und den Tiroler Bürgern. Und mit Hilfe einer Plattform, die bereits umgesetzte Projekte und die Menschen, die dahinter stehen, sichtbar macht und so Mut zum eigenen Engagement macht.

Warum Tirol sich so engagiert? Weil es seine Vorreiter-Rolle im Bereich der Nachhaltigkeit ausbauen will und die Tiroler Lebensqualität auch nachfolgenden Generationen sichern will. Zukunftsorientiert, visionär und verantwortungsbewusst gegenüber Mensch und Natur baut Tirol so Schritt für Schritt seine Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern auf. Und bleibt (erfolg)reich.

Links

Sie interessieren sich näher für Tirols grüne Strategie und das Portal Tirol 2050 energieautonom? Hier sind Ihre Links:

Es fängt im Kleinen an

Bye Bye Standby & Co:

Weil kleine Veränderungen viel bewirken können, bietet das Portal "Tirol 2050 energieautonom" wertvolle Tipps zum Energiesparen.

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Daten & Fakten

Ihr Bild in Zahlen:

Endenergiebedarf Tirol 2012 - 93.140 Terrajoule
Veränderung gegenüber 2005 - minus 6,1 Prozent
Anteil Erneuerbare Energien 2012 - 40,83 Prozent

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