Foto: Tirol Werbung/Mallaun Josef

Naturnähe

Mit der Natur leben und ihre Vorteile schätzen – das können die Tiroler nur zu gut.

Was man liebt, das schützt man

Die Tiroler nutzen die heilende Wirkung ihres Freizeitparadieses für Gesundheit und Wohlbefinden oder seine Wiesen für ihre Tiere und die Herstellung gesunder Lebensmittel. Doch begegnen sie der Natur dabei seit jeher respektvoll und schützen sie deshalb: im Einklang mit ihr sein ist die Devise.

Sehr früh haben Menschen begonnen, die heilende Wirkung von Buschwerk, Blume, Kraut & Co zu entdecken. So schrieb der Grieche Dioskurides schon im ersten Jahrhundert nach Christus seine „Große Arzneimittellehre“ über die Wirkung von Pflanzen. In Tirol trug Ötzi, der bekannte Alpenüberquerer der Jungsteinzeit, einen Becher Birkenrinde bei sich. Und der Tiroler Jesuitenapotheker Sigismund Asperger (1678-1772) integrierte seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Arzneipflanzenkunde oder Phytopharmazie im 18. Jahrhundert in die medizinische Versorgung der paraguayischen Bevölkerung.

Damals wie heute wusste man aus Erfahrung: Johanniskraut hilft bei Nervenleiden und Hautreizungen, Arnika bei Prellungen und Muskelkater, die Zirbe wirkt beruhigend und Enzian regt die Darmtätigkeiten an und lindert Fieber. Heute will man es schon genauer wissen. Erst recht im naturverbundenen Tirol. Und so hat sich am Institut für Pharmazie der Universität Innsbruck ein international anerkannter Schwerpunkt zum Thema, der sogenannten Phytopharmazie, entwickelt. Diesen leitet Universitätsprofessor Hermann Stuppner, der gleichzeitig Präsident der Herbal Medicinal Products Plattform Austria ist.

Dass rund 80% der Weltbevölkerung ihre Krankheiten zumindest teilweise mit pflanzlichen Arzneimitteln kurieren, von weltweit vorkommenden 300.000 – 400.000 Arten aber erst 5 – 10 % hinsichtlich Inhaltsstoffen und deren pharmakologischer Wirkung untersucht sind, zeugt laut Stuppner (hier im Interview) vom Potenzial der Wirkstoffe aus der Natur. Das Know-how Stuppners und seines Teams rund um genaue Analysen nützen deshalb auch führende Phytopharmakaunternehmen wie die deutsche Bionorica SE. Das Unternehmen hat dazu sogar eine eigene Niederlassung in Innsbruck gegründet (im Beitrag). Gemeinsam will man den Menschen Hightech-Arzneimittel auf natürlicher Basis zur Verfügung stellen. Wissenschaftlich erforscht. Mit klinischen Studien unterlegt. Jedoch mit weniger Nebenwirkungen als der chemische Mitbewerb.

Top-Qualitätsprodukte aus der Natur – dafür sorgt auch heute noch die Tiroler Almwirtschaft. Während im Talsommer reges Arbeitsleben rund um Sachgüter, Handel und Dienstleistung herrscht, sorgen auf mehr als 2.000 Almen mehr als 3.000 Senner für 107.000 Rinder, 3.000 Pferde, 69.000 Schafe und knapp 6.000 Ziegen. Schließlich treiben mehr als drei Viertel der Tiroler Bauern ihr Vieh während der Sommermonate in die Berge. Die Tiere genießen dort Freiheit und Auslauf auf saftigen Matten und besonders nahrhaftes Gras, Blumen und Kräuter zum Fressen. Die Senner schaffen trotz der manchmal widrigen Bedingungen am Berg optimale Voraussetzungen für die Herstellung von Qualitätsprodukten wie Heu-Milch und Bergkäse. Und verschaffen so auch der Tiroler Lebensmittelindustrie einen echten Vorteil.

Doch Tiroler machen sich die alpine Natur nicht nur zunutze, ihnen sind der Schutz, die Erhaltung der alpinen Fauna und Flora und der respektvolle Umgang mit der Natur ebenso wichtig. So gibt es insgesamt 84 Schutzgebiete in Tirol, die gemeinsam ein Viertel der Landesfläche einnehmen. 14,5% der Landesfläche machen dabei die Naturschutzgebiete aus, die im Europäischen Netzwerk Natura 2000 (im Beitrag) aufgenommen sind. Dieses Netzwerk hat zum Ziel, die Artenvielfalt Europas zu erhalten. Denn Tirol nimmt mit seiner umfangreichen Vielfalt eine besondere Stellung ein: Die schroffen Felsen, Almen, Fichtenwälder und die Auwälder nahe der Täler sind einzigartig in Europa – im Herz der Alpen, in Tirol.

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